2011. FINN (14) verbringt die Ferien alleine in seinem Heimatdorf in Brandenburg. Seine Freunde sind im Urlaub, sein Vater arbeitet und seine Schwester ist meist unterwegs mit ihren Unifreund*innen aus Berlin. Finn vertreibt sich die Zeit online am Stand-PC seines Vaters. Dort trifft er heimlich Fremde auf Chatroulette und erlebt dabei ein aufkeimendes Begehren gegenüber den Männern im Videochat.
Als Finn sich bei einem schwulen Onlineportal anmeldet, kippt seine anfängliche Neugier jedoch in Zweifel. „No fats, no femmes, no asians“ ist ein gängiger Spruch auf der Plattform und Finn ist mit der Tatsache konfrontiert, dass sein dicker Körper in der schwulen Onlineszene nicht überall willkommen ist. In einem Videocall mit einem deutlich älteren Mann spitzt sich die Situation weiter zu. Finn wankt zwischen Gefühlen von Begehren und Scham. Doch gerade in dem Moment, als die Einsamkeit am größten wird, tut sich in der analogen Welt ein Lichtblick auf.
In einer Kindheit um 2010 ist man Queerness kaum im Alltag begegnet. Viele von uns queeren Kindern und Jugendlichen haben deshalb online nach Kontakten und Informationen gesucht und sich dort ihre eigenen Räume geschaffen. Doch der digitale Raum birgt ganz eigene Gefahren: Grooming, Rassismus und die Ablehnung des eigenen Körpertyps sind Erfahrungen, die junge queere Menschen in ihrer verletzlichen Findungsphase nachhaltig prägen können.
Diese Ambivalenz interessiert uns sehr. Wir möchten sie jedoch nicht von außen betrachten, sondern aus den Augen eines Jungen, der diese Problematik bei der Suche nach Zugehörigkeit erst in Ansätzen erspürt.
Unser kreatives Kern-Team bilden Janina Lutter, Paul Galli und Fabienne Schweers. Kennengelernt haben wir uns 2019 während des ersten Studiums in Hessen. Aktuell studieren wir alle an der Filmuniversität Babelsberg und machen weiter gemeinsam Filme. Dabei ist uns das zwischenmenschliche Miteinander und eine Zusammenarbeit, bei der sich alle wohl und gehört fühlen, genauso wichtig wie der Inhalt der Filme.
Seit 2020 haben wir an etwa 12 filmischen Projekten gearbeitet, darunter zahlreiche Kurzfilme. Dazu gehört auch unser erster Langfilm „Brennnesselbad“, den wir als Trio unter den Einschränkungen der Pandemie eigenständig realisierten. Unsere Filme waren auf verschiedenen deutschen und internationalen Filmfestivals zu sehen und erhielten Auszeichnungen wie den Deutschen Jugendfilmpreis, den Deutschen Generationenfilmpreis oder den Hauptpreis beim REC Filmfestival Berlin.
Inhaltlich verhandeln unsere Arbeiten Themen rund um queeres Erwachsenwerden, Freund*innenschaft und weibliche Solidarität. Dabei fokussieren wir uns oft auf Grenzgänge in Beziehungen und versuchen, große gesellschaftliche Themen in alltäglichen Geschichten zu verhandeln.
| Die Prinzessin bleibt | Postproduktion | Kurzspielfilm · 20 Min. · Tragikomödie |
| Menschen unter Wasser ↗ | 2025 | Kurzspielfilm · 18 Min. · Queeres Coming-of-Age |
| Menschen in Räumen ↗ | 2024 | Kurzspielfilm · 10 Min. · Impro-Film / Komödie |
| Wolke Z ↗ | 2023 | Kurzspielfilm · 17 Min. · Drama / Coming-of-Age |
| Die Schule brennt… ↗ | 2023 | Mittellangfilm · 25 Min. · Queeres Coming-of-Age |
| Brennnesselbad | 2022 | Langspielfilm · 87 Min. · Roadmovie / Queeres Coming-of-Age |
In anonymen, digitalen Begegnungen erlebt der 14-jährige Finn sein aufkeimendes Begehren gegenüber Männern. Doch trifft er dabei auch auf Kehrseiten innerhalb der schwulen Onlineszene.