2011. FINN (14) verbringt die Ferien alleine in seinem Heimatdorf in Brandenburg. Seine Freunde sind im Urlaub, sein Vater arbeitet und seine Schwester ist meist unterwegs mit ihren Unifreund*innen aus Berlin. Finn vertreibt sich die Zeit online am Stand-PC seines Vaters. Dort trifft er heimlich Fremde auf Chatroulette und erlebt dabei ein aufkeimendes Begehren gegenüber den Männern im Videochat.
Als Finn sich bei einem schwulen Onlineportal anmeldet, kippt seine anfängliche Neugier jedoch in Zweifel. „No fats, no femmes, no asians“ ist ein gängiger Spruch auf der Plattform und Finn ist mit der Tatsache konfrontiert, dass sein dicker Körper in der schwulen Onlineszene nicht überall willkommen ist. In einem Videocall mit einem deutlich älteren Mann spitzt sich die Situation weiter zu. Finn wankt zwischen Gefühlen von Begehren und Scham. Doch gerade in dem Moment, als die Einsamkeit am größten wird, tut sich in der analogen Welt ein Lichtblick auf.
In meiner Jugend auf dem Dorf gab es keine queere Sichtbarkeit. Im Fernsehen machte man sich über Daniel Kübelböck lustig, „schwul“ war ein Schimpfwort.
Der Familien-PC meiner Eltern war mit 15 mein Tor zur Welt. Ich konnte dort herausfinden, ob sich andere vielleicht auch so fühlen wie ich. Neben Zuflucht zeigte das Internet der 10er Jahre auch dunklere Seiten: Grooming, Ausschluss und toxische Körpernormen. Die Orte, die man in diesem Internet fand, gaben einem das Gefühl, zu etwas dazuzugehören, aber trotzdem nicht richtig zu sein.
„Das nächste Leben“ ist entstanden, weil diese Themen heute leider immer noch so aktuell sind. Trotzdem möchte ich eine Geschichte mit Hoffnung erzählen und Menschen einladen, diese Erfahrung mitzuerleben.
Unser kreatives Kern-Team bilden Janina Lutter, Paul Galli und Fabienne Schweers. Kennengelernt haben wir uns 2019 während des ersten Studiums in Hessen. Aktuell studieren wir alle an der Filmuniversität Babelsberg und machen weiter gemeinsam Filme. Dabei ist uns das zwischenmenschliche Miteinander und eine Zusammenarbeit, bei der sich alle wohl und gehört fühlen, genauso wichtig wie der Inhalt der Filme.
Seit 2020 haben wir an etwa 12 filmischen Projekten gearbeitet, darunter zahlreiche Kurzfilme. Dazu gehört auch unser erster Langfilm „Brennnesselbad“, den wir als Trio unter den Einschränkungen der Pandemie eigenständig realisierten. Unsere Filme waren auf verschiedenen deutschen und internationalen Filmfestivals zu sehen und erhielten Auszeichnungen wie den Deutschen Jugendfilmpreis, den Deutschen Generationenfilmpreis oder den Hauptpreis beim REC Filmfestival Berlin.
Inhaltlich verhandeln unsere Arbeiten Themen rund um queeres Erwachsenwerden, Freund*innenschaft und weibliche Solidarität. Dabei fokussieren wir uns oft auf Grenzgänge in Beziehungen und versuchen, große gesellschaftliche Themen in alltäglichen Geschichten zu verhandeln.
| Die Prinzessin bleibt | Postproduktion | Kurzspielfilm · 20 Min. · Tragikomödie |
| Menschen unter Wasser ↗ | 2025 | Kurzspielfilm · 18 Min. · Queeres Coming-of-Age |
| Menschen in Räumen ↗ | 2024 | Kurzspielfilm · 10 Min. · Impro-Film / Komödie |
| Wolke Z ↗ | 2023 | Kurzspielfilm · 17 Min. · Drama / Coming-of-Age |
| Die Schule brennt… ↗ | 2023 | Mittellangfilm · 25 Min. · Queeres Coming-of-Age |
| Brennnesselbad | 2022 | Langspielfilm · 87 Min. · Roadmovie / Queeres Coming-of-Age |
In anonymen, digitalen Begegnungen erlebt der 14-jährige Finn sein aufkeimendes Begehren gegenüber Männern. Doch trifft er dabei auch auf Kehrseiten innerhalb der schwulen Onlineszene.